Ein Großprojekt beginnt …

Ich möchte Ihnen heute ein Großprojekt, welches vor ein paar Jahren hier in Deutschland umgesetzt wurde, vom Anfang bis zum Ende vorstellen. Es ist mir wichtig gleich vorwegzusagen, dass es sehr erfolgreich lief, der Weg dorthin aber sehr steinig war. Es ist somit ein positives Beispiel dafür wie auch die schwierigsten Hürden gemeistert werden können und mit welchen Methoden und Werkzeugen dies realisiert werden kann.

Der Telekommunikationsmarkt hatte sich geöffnet und die Deutsche Telekom AG war nicht mehr der Monopolist. Alle namhaften Carrier rüsteten auf, um in diesem Marktsegment Fuß zu fassen oder ihr Geschäftsmodell auszuweiten. Darauf musste sich auch der größte Anbieter kurzfristig einstellen. Aus diesem Zwang heraus brachte er folgende Ausschreibung auf den Markt:

  • Installation von Kollokationsräumen – Auftragswert 50 Mio. €
  • Installation & Inbetriebnahme von Systemtechnik – Auftragswert 30 Mio. €
  • regionales Preisniveau inklusive Materialbeistellung (ohne Systeme)
  • bundesweite Ausführung
  • Projektlaufzeit elf Monate
  • ohne Forecast
  • Systemhersteller sind von der Ausschreibung ausgeschlossen

Wie bereits im Fallbeispiel des früheren Blogartikels „Das unerwartete Angebot“ erwähnt kam auch diese Angebotsaufforderung völlig unerwartet und war ein ziemlicher Paukenschlag. Ein erster Überschlag, wenn man ca. 20% Materialkosten annahm und Projektmanagement und Gewinn berücksichtigte, ergab pro Monat bis zu 7000 Einzelabrufe und den Einsatz von um die 400 Installationsteams – und das aus dem Stand.

Doch analysieren wir einmal die Angebotsanforderungen des Kunden im Einzelnen. Der erste show stopper war die Anforderung, dass kein Systemhersteller an der Ausschreibung teilnehmen durfte. Glücklicherweise waren wir als Anbieter eine eigenständige Tochtergesellschaft eines Systemherstellers und wurden unter der Voraussetzung, dass wir keine Kapazitäten des Mutterkonzerns für diesen Auftrag binden würden, zugelassen. Die zweite große Hürde, ein regionales Preisniveau anzubieten, konnten wir als GmbH mit geringeren Overheadkosten als denen des Konzerns ebenfalls sicherstellen. Was steckte denn nun hinter den ausgeschriebenen Installationstätigkeiten?

Installation von Kollokationsräumen                                                                                                                                                 Bild6

Wenn ein Wettbewerber einen Telefonanschluss anbieten möchte, benötigt er die bestehende Infrastruktur des Eigentümers. Er braucht in den jeweiligen örtlichen Vermittlungsstellen einen Übergabepunkt, den Kollokationsraum, in dieses Netz. Dies wird dadurch realisiert, dass der Eigentümer dieses Netzes dem Carrier eine kleine Fläche zur Verfügung stellt, auf dem er seine Systemtechnik installieren kann. Von dort geht es dann über eine rangierbare Verteilung bis in das Wohnzimmer des Kunden. Diese bereitgestellte Fläche muss mit entsprechenden Verteilerschränken und Kabeltrassen ausgerüstet werden. Die Installationstätigkeiten splitten sich in die Erstellung eines Flächenrostes für die Kabel, die eigentliche Kabelverlegung und den Abschluss auf Verteilerleisten. Oder anders ausgedrückt bedarf diese Arbeit zu 90% eine metallhandwerkliche Ausbildung der Installationsteams und zu 10% zumindest eine technische Vorbildung. Fazit: Es werden große Mengen an Flächenrostmaterial aus Aluminium benötigt und entsprechend viele gute Handwerker.

Installation & Inbetriebnahme von Systemtechnik                                                                                                                       Triebel 6

Bei diesen Tätigkeiten wird ein ganz anderes Know-how benötigt, denn der Kunde betreibt eine enorme Vielfalt von verschiedenen Systemen in seinem Netzwerk. Geschuldet ist dieser Umstand noch der Monopolstellung. Damals war es seine Aufgabe und auch Pflicht die Systeme der Hersteller zu integrieren und oftmals erstmalig live zu testen. Es stellte sich schnell heraus, dass für diese Aufgaben erfahrene Techniker vonnöten waren, die diese Installationen und Inbetriebnahmen auch allein aufgrund der technischen Dokumentationen realisieren konnten. Die Vielfalt der verschiedenen Materialien, die bevorratet werden mussten, belief sich im ersten Überschlag auf ca. 400 Materialpositionen. Fazit: Es bedurfte eine intelligente Materiallogistik und Fachpersonal.

Soviel zum Inhalt. Was bedeutete dies jetzt für die Umsetzung? Ohne Forecast und somit ohne zeitliche oder mengenmäßige Planung für die erwarteten Aufträge war eine sehr flexible Organisation erforderlich. Dazu kam die Verteilung der Einsatzorte von Flensburg bis Hintertupfingen die effektiv mit dem erforderlichen Personal abzudecken waren. Sie werden jetzt vielleicht den Kopf schütteln aber dieses Projekt war genau nach meinem Geschmack.

Ich habe Ihr Interesse geweckt und Sie möchten den weiteren Verlauf erfahren? Dann werden Sie aktiv und stimmen bitte ab oder schreiben mir einen Kommentar zum Blog.

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5 Dinge die ich nie wieder machen werde!

Kennen Sie das? Sie denken über ein Thema nach und plötzlich schütteln Sie den Kopf und erinnern sich an eine Situation, in die Sie kein zweites Mal in Ihrem Leben geraten wollen. In diesen Situationen passieren Fehler, die man tunlichst vermeiden sollte. Ich habe ein paar davon für Sie schon einmal gemacht.

In den Urlaub fahren wenn sich Probleme andeuten

Endlich Urlaub. Das wurde jetzt aber auch Zeit. Ich habe noch einmal enorme Energie darauf verwendet alles an meine zwei Co-Projektleiter ordentlich zu übergeben, damit das Projekt die nächsten zwei Wochen auch ohne mich weitergehen kann. Ich habe ein bundesweites Großprojekt mit acht autarken Kunden, die regional verteilt sind. In sieben Regionen läuft das Projekt auch gut, nur dort, wo den Einwohnern eigentlich Ruhe und Gelassenheit nachgesagt wird, zeichnen sich Probleme ab. Ich gehe dem persönlich nach und suche das Gespräch mit dem Regionalverantwortlichen. Im Ergebnis war alles in Ordnung. Es gab ein paar Anfangsschwierigkeiten, die jetzt aber behoben sein sollten. Es wurde mir noch ein schöner Urlaub gewünscht und ich fuhr die 500 km zurück in mein Büro. An meinem ersten Urlaubstag bekam ich einen Anruf, dass es lichterloh brennt und ich bitte auf meine E-Mails schauen sollte. Der Kunde war leider nicht ehrlich zu mir gewesen und hatte nur darauf gewartet, dass ich außer Landes war. Dann präsentierte er, eigentlich normale Baustellenprobleme, an seine Zentrale und stellte die weitere Zusammenarbeit infrage. Somit war ich die nächsten zwei Wochen überwiegend mit Telefonkonferenzen mit dem Steering Board, Berichten an die Geschäftsleitung und jeder Menge E-Mails schreiben beschäftigt. Ach ja, ich vergaß zu erzählen, dass ich mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern im Urlaub war. Die verständlicher Weise auftretenden sozialen Spannungen, die sich daraus ergaben, war aber mit Abstand das Schlimmste an der Geschichte. Erst als ich wieder im Lande war stellte sich heraus, dass ein Bauleiter dieses Kunden seinen Lieblings-Subunternehmer wieder ins Boot holen wollte und uns deshalb diskreditiert hatte. Shit happens.

So ganz ohne Personal starten

Ich hatte ein Projekt im Ausland übernommen und stand erst einmal ganz alleine da. Das von mir angeforderte Personal sollte ganz schnell zur Verfügung stehen. Als Erstes gesellte sich der Kaufmann meines Vertrauens dazu und ich war erleichtert, dass diese Schlüsselposition gut besetzt war. Als Nächstes kam der erste Bauleiter, der mir als Experte für die aufzubauenden Systeme angekündigt wurde. Leider war er erst seit einem halben Jahr im Unternehmen und hatte nur zwei Stationen aufgebaut. Ein sehr sympathischer und agiler junger Mann, der aber weit entfernt war von dem Experten, den ich jetzt dringend benötigte. Meine beiden regionalen Projektleiter kamen mit etwas Verzögerung. Der eine sah aus, als würde er gleich einschlafen und die andere erinnerte mich an die weibliche Version von MacGyver. Ich hätte ihr zugetraut aus einem Stück Schnur, einer Kugelschreibermine und einem Kaugummi garantiert irgendetwas Sinnvolles zu bauen. Nur beide hatten überhaupt keine Erfahrung im Projektmanagement oder Menschenführung. Ich glaube, ich hätte dem Kunden meine Situation darstellen und um Verständnis bitten können, wären wir nicht als die Experten angekündigt worden. Nie wieder werde ich so starten.

Auf einen Gittermast steigen

Mir war nicht bewusst, dass ich nicht schwindelfrei bin, sonst wäre mir das wohl erspart geblieben. Der Kunde hatte die tolle Idee dass wir beide zusammen eine Abnahme eines neu erstellten Systems auf einem 40 m Gittermast durchführten. Als wir vor dem Mast standen und uns der Wind bereits hier unten die Blätter aus den Händen riss, wurde mir schon etwas mulmig. Wir legten beide unser Sicherheitsgeschirr an und gingen die Stahlrohrtreppe im Inneren des Mastes hinauf. Als ich ungefähr nach der Hälfte der Strecke einmal kurz nach unten schaute schien es, als wollten meine Organe an Stellen rutschen, an denen sie nichts zu suchen hatten. Als wir oben ankamen, musste ich mit Schrecken feststellen, dass die Mastspitze bei diesem Wind ca. einen halben Meter in willkürliche Richtungen ausscherte. Ich konzentrierte mich auf meine Contenance und war froh, als wir nach zwei Stunden wieder auf dem sicheren Boden standen. Höhe ist definitiv nichts für mich.

Den Freund vom Chef einstellen

„Sagen Sie mal Herr Christians, haben Sie nicht noch Verwendung für einen Kollegen? Die Stelle des Materialmanagements kann doch erst in zwei Monaten besetzt werden.“ Da hatte er recht, denn meine Wunschkandidatin war noch in einem anderen Projekt eingebunden und diese Vakanz bescherte mir Kopfschmerzen. Also sagte ich zu und war erfreut, dass der Mitarbeiter aus der Materialsparte kam. Doch die erste Autofahrt mit ihm brachte bereits die Ernüchterung. Es war ihm in keiner Weise möglich die Straßenkarte zu lesen oder auch nur annähernd zu deuten, in welche Himmelsrichtung wir fahren mussten. Nun ja, Karte lesen kann nicht jeder, aber leider hat sich dies auf seine tägliche Arbeit im Projekt übertragen. Von den rund 400 Materialpositionen kannte er offensichtlich nicht eine und war mit Bestellungen und Bestandsführung hoffnungslos überfordert. Wir führten mehrere Gespräche und er tat mir richtig Leid in seiner Hilflosigkeit. Es bedurfte mehrerer Gespräche mit meinem Vorgesetzten, bis ich ihn aus dem Projekt entlassen konnte. Nie wieder solche Gefälligkeiten ohne Kenntnis über die Person.

In eine Table-Dance-Bar gehen

Unser Kunde wollte den Vertragsabschluss mit uns feiern und lud uns in eine Bar ein. Der erste Eindruck war erfreulich. Gehobenes Publikum, gute Musik, ja und dann sah ich sie. An die sieben sehr leicht und aufreizend bekleidete junge Mädchen im Alter meiner Töchter rekelten sich, an in der Bar verteilt stehenden Stangen, zur Musik. Unser Kunde war gut gelaunt und es stellte sich heraus, dass er öfter hier ist. Nun, es war ja wirklich nichts Obszönes oder Anstößiges dabei gewesen und bei einem derben Junggesellenabschied, schon entsprechend alkoholisiert, hätte mich das vielleicht gar nicht so gestört. Aber hier habe ich mich den ganzen Abend nur fremdgeschämt.

Na? Heute schon die chinesische Methode angewendet?

Wenn die Aufwandsabschätzung zeitlich nicht in den Terminrahmen passt werden mehr Ressourcen pro Gewerk eingesetzt. Ein Beispiel: Für ein handgeschachtetes Loch benötigt ein Arbeiter eine Stunde, zwei Arbeiter eine halbe Stunde und zehn Arbeiter sechs Minuten – und der Terminplan ist wieder im Lot. Dass dies nicht funktionieren kann, ist jedem sofort klar und trotzdem werden gerade dann diese verzweifelten Annahmen getroffen, wenn ein Projekt in Verzug geraten ist.

Bei der Aufwandsabschätzung ist viel Erfahrung gefragt und junge Kollegen und Kolleginnen gehen oft zu optimistisch in die zeitliche Kalkulation und tappen dabei gern in beliebte Fallen.

Supermann MitarbeiterInnen
Ihn/sie kann ich auch über einen langen Zeitraum konstant mit 120% Leistung einkalkulieren. Krankheit, Urlaub, Fortbildung kommen nicht vor. Es gibt auch nie Probleme am Arbeitsplatz oder im familiären Umfeld und er/sie ist immer gut drauf.

Ideales Umfeld
Es gibt keine Störgrößen. Jede Arbeit kann ohne Nachfrage oder Klärung sofort erledigt werden. Die EDV fällt nie aus, jeder ist jederzeit problemlos erreichbar und das Essen in der Kantine ist auch immer köstlich.

Sunshine Szenario
Ist das Budget zu knapp bemessen, wird so getan, als würde während der Projektlaufzeit immer die Sonne scheinen und Probleme gibt es nicht. Der Kunde ist einfach nur lieb und nett, das Team hoch motiviert und jeder eingesetzte Subunternehmer arbeitet termintreu und qualitätsgerecht.

Die Beispiele lassen sich problemlos fortführen und irgendwo habe ich das alles schon mal gesehen oder erlebt.

Ein Projekt mit einem Abnahmetermin im Frühsommer kann Sie lehren Feiertage zu fürchten. Ganz unerwartet gibt es plötzlich Ostern, Pfingsten und diverse Brückentage, die Ihren engen Terminplan kräftig durcheinanderwirbeln. Auch schön sind Winterbaustellen. Besonders dann, wenn es in dieser Region die letzten elf Jahre keinen Frost gab und Sie diesem Phänomen für volle drei Monate ausgeliefert sind. Ihre Termine laufen davon und Ihre Subunternehmer sitzen bei Schlechtwettergeld zu Hause im Warmen.

Zum Jahresende kann Sie aber auch noch ein weiteres Schicksal ereilen, insbesondere, wenn Sie mit Behörden zusammenarbeiten. Ein örtlicher Energieversorger zum Beispiel kalkuliert seine durchzuführenden Maßnahmen in einem Jahresbudget. Ist dies zum Jahresende nicht ausgeschöpft, kümmert er sich vorrangig um seine eigene Belange, bevor er Ihre Aufträge abarbeitet. Die von Ihnen beauftragten Subunternehmer für die Tiefbauarbeiten sind übrigens auch lieber für den Energieversorger tätig, weil bei ihm die Preise besser sind.

Erfahrungsgemäß fallen Aufwandsschätzungen zu neuen Themen oder von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die nur selten bewusst Aufwände schätzen, eher zu niedrig denn zu hoch aus. Eine bewusste und systematische Erfahrungssicherung, Grundvoraussetzung für eine fundierte Aufwandsabschätzung, erfolgt aus Zeitmangel häufig nicht und viele Angaben zum voraussichtlichen Aufwand werden unter dem Druck knapper Ressourcen und enger Terminpläne gemacht. Die zuständigen MitarbeiterInnen werden nicht oder nur ungenügend bei der Aufwandsschätzung mit eingebunden. Dabei ist dies schon allein aus Motivationsgründen unerlässlich, vom Fachwissen ganz zu schweigen.

Nehmen Sie sich Zeit für dieses wichtige Thema und nutzen Sie die Erfahrung von Kollegen und Kolleginnen bzw. den ausführenden MitarbeiterInnen.

PS: Die chinesische Methode bedient ein beliebtes Vorurteil: Chinesen sind wie Ameisen und arbeiten die ganze Zeit für wenig Geld.

Wie führe ich mein Team ?

Zu dem Thema „Wie füre ich mein Team?“ gibt es viel theoretisches Wissen und praktische Tipps, die ich als frischgebackene Projektmanager mit viel Disziplin umsetzen kann. Aber sind wir mal ehrlich: Kann ich dabei noch authentisch bleiben? Oder ist es doch eher ein langwieriger Prozess, der daraus besteht, aus Erfahrungen zu lernen und sein Verhalten anzupassen? Ich selber bin durch eine harte Schule gegangen und es war ein langer Weg bis ich mir relativ sicher sein konnte mein Team wirklich gut führen zu können.

Als Neuling in diesem spannenden Beruf befinde ich mich noch in der Komfortzone. Als Projektleiter/in muss ich mich zwar um alles von A bis Z kümmern aber ich bin in einem Team eingebunden. Ich habe noch einen Mentor, jemanden der mich leitet und korrigiert, lobt und tadelt und letztendlich die Konsequenzen meines Handelns trägt. Habe ich mir dann die ersten Sporen verdient, bekomme ich ein kleines Team, das ich als Projektmanager motivieren soll. Meinen Sie das geht so einfach? Gestern war ich noch der selbstständige Macher, der alles in Eigenverantwortung umgesetzt hat. Aber ab heute muss ich führen – können. In erster Linie werde ich meinen Mentor spiegeln und ihm vieles gleich tun.

Als ich in jungen Jahren in dieser Situation war hatte mein damaliger Vorgesetzter eine ausgeprägte basta Mentalität. Der Umgang mit den MitarbeiterInnen war willkürlich, tagesformabhängig und grenzte oft an eine Art Hinterhältigkeit. Natürlich hatte ich nicht vor mein Team in dieser Art und Weise zu führen aber es blitzte in den ersten Jahren doch immer wieder auf, dass ich mich in bestimmten Situationen ähnlich verhielt. Wer mich nicht schnell mit Argumenten überzeugen konnte musste einfach meinem Kurs folgen. Bedenkenträger wurden schnell ins Abseits gestellt und MitarbeiterInnen die auf meiner Linie waren habe ich bevorzugt. Dadurch war eine gute Teambildung erheblich erschwert worden und ich fühlte mich genötigt alles zu kontrollieren, was mein, in Teilen unwilliges Team, erarbeitet hatte. Irgendwann wurde ich zum Kontrollfreak und mein Team lehnte sich zurück und ließ mich machen.

Dann kam glücklicherweise das, was ich jedem Projektmanager nur empfehlen kann. Das 360-Degree-Feedback. In einem sehr umfangreichen Fragebogen wurde man von 2 Vorgesetzten und 3-5 Mitarbeitern hinsichtlich seiner technischen und sozialen Kompetenzen mit einem Schulnotensystem bewertet. Ich selber musste mich auch bewerten. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine sehr gute Reputation, sonnte mich in meinen Erfolgen und wurde bei problematischen Situationen in anderen Projekten als Fachmann immer wieder gern dazu geholt. Die Auswertung des Fragebogens hat mich dann Gott sei Dank schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Meine Selbsteinschätzung deckte sich zwar weitgehend mit den Bewertungen meiner Vorgesetzten, aber zwischen mir und dem Team klafft eine nicht unerhebliche Lücke. Mein Team schätzte mich gar nicht so toll ein. Auf der einen Seite wurden meine vermeintlichen Stärken gar nicht als ausgeprägt angesehen und auf der anderen Seite wurden meine offensichtlichen Schwächen mir gar nicht übel genommen. Der wahre Augenöffner war dann in den Freitext Bemerkungen zu finden. Auf ein „He is burning for reaching the targets“ hätte ich ja fast noch stolz sein können, wenn ich dies nicht immer mit dem Kopf durch die Wand durchgesetzt hätte. Aber dass ich meine MitarbeiterInnen nicht als Individuen, sondern schlichtweg als Arbeiterbienen angesehen habe, hat mich sehr geprägt und meinen Führungsstil nachhaltig überdenken lassen.

Zu dieser Zeit hatte ich einen Kollegen, der jeden Morgen erst einmal 1 Stunde durch die Büros seines Teams ging. Ein bisschen Smalltalk hier, eine neue Sichtweise auf ein festgefahrenes Problem dort oder sich einfach mal über die halbwüchsigen Kinder austauschen. In der Außenwirkung habe ich das damals als vertane Zeit empfunden. Im Nachhinein betrachtet war dies eine sehr gute Teamführung und die Zeit dafür musste man sich einfach nehmen.

Ich hatte nie die Absicht in dieser Art und Weise ein Team zu führen, aber ich habe damals in den Anfängen Fehler gemacht und dieser Blog soll ja helfen solche Fehler zu vermeiden. Es hat sich im Führungsstil der Projektmanager von heute viel getan und keine Führungskraft kann mehr allein mit eiserner Hand regieren. Aber wenn wir so richtig unter Druck geraten handelt immer noch jeder instinktiv – und das ist menschlich. Oder?

Die Auftragsklärung

Dies ist immer ein ungeliebtes Thema in meinem Seminar. Dabei ist die Auftragsklärung, und somit die schriftliche Bestätigung was und in welchem Umfang im Projekt zu realisieren ist, ein wichtiges Thema. Aus ihr lässt sich die Zielformulierung ableiten, die das gemeinsam vereinbarte Projektende beschreibt. Ohne diese Grundlage sind Missverständnisse, unterschiedliche Auslegungen von Sachverhalten und Streitigkeiten vorprogrammiert. Die Erwartungen des Kunden werden nicht erfüllt, das Projektende verschiebt sich beliebig und die Kosten laufen davon.

Nehmen wir mal ein alltägliches Beispiel. Person A (z.B. Ihre Frau) wünscht sich ein Carport, und zwar genau das aus der vorliegenden Werbung eines Baumarktes. Der Standort des Carports wird gemeinsam festgelegt und eine Fertigstellung in zwei Wochen vereinbart. Dies ist laut Definition ein kleines Projekt. Person B (z.B. Sie) stürzt sich sofort in die Planung. Wann kann ich den Carport kaufen und lasse ich es lieber liefern oder transportiere ich es selber? Wie lange braucht der Ortbeton zum Austrocknen, sodass die Balken in den Aufnahmen befestigt werden können? Wann habe ich Zeit die Konstruktion aufzubauen? Werde ich Hilfe benötigen? Der Terminplan ist in ihrem Kopf bereits fertig und sie machen sich ohne weitere Umwege direkt ans Werk.

Stolz präsentiert Person B (Sie) dem Auftraggeber Person A (Ihre Frau) den fertigen Carport. Termingerecht und innerhalb des vorgegebenen Budgets. Für Sie ist das zuvor formulierte Ziel erfüllt und somit das Projektende erreicht. Für Ihren Auftraggeber, in diesem Fall der Kunde, aber bei Weitem noch nicht. Auf dem Foto hatte der Carport eine honigfarbene Lasur und Ihr Kunde hat kurzerhand noch die Farbe gekauft. Sie sind frustriert, weil Sie dachten Sie hätten die Auftragsklärung richtig verstanden. Jetzt haben Sie die Aufgabe auch die obere Balkenlage zu streichen und somit ein Problem, weil das Dach schon montiert ist. Eigentlich haben Sie gar keine Zeit und Lust mehr. Sie versuchen das Projekt schnell zu Ende zu bringen und streichen nur die sichtbaren Holzteile. Bei der erneuten Vorstellung zur Abnahme wird dieser Qualitätsmangel schnell bemerkt und jetzt hängt auch noch der Haussegen schief.

Ich übertreibe? Nein! Mir ist es selber schon passiert, dass ich meinte, den Kunden richtig verstanden zu haben und nur durch eine intensive, gemeinsame und schriftlich fixierte Auftragsklärung wurde ich davor bewahrt, das Projektziel zu gefährden. Sehr kritisch wird es, wenn die Verträge bereits unterschrieben sind, obwohl beide Parteien noch an den technischen Details feilen. Ich habe dies in einem Großprojekt kennenlernen dürfen. Der Grund hierfür war, dass zwei Betreiber zeitgleich in diesem Land ein Mobilfunknetz aufgebaut haben. Unser Kunde wollte unbedingt, dass wir die ersten Mobilfunksites vor unseren gemeinsamen Mitbewerber in Betrieb nehmen können. Dies war ein genialer Schachzug, weil, begleitet von prominent besetzter Werbung, unser Kunde in aller Munde war und einen großen Wettbewerbsvorteil erzielen konnte. Aus dieser Notsituation heraus haben wir die ersten Standorte in einer Art Wildwest-Manier aufgebaut, um die zugesagten Termine einhalten zu können. Unser Kunde hat diese Bauweise auch „durchgewunken“, denn ihm ging es nur um die Termine. Als drei Monate nach Vertragsunterschrift die technischen Details, Qualitätsparameter und Abnahmebedingungen fixiert waren, wollte davon keiner mehr etwas wissen. Alle Standorte die bis dahin realisiert waren mussten nach diesen Bedingungen nachgearbeitet werden was zur Folge hatte, dass uns das Personal für weitere Neubauten fehlte und der Zeitplan gefährdet wurde. In diesem Projekt war sowieso von Anfang an der Wurm drin, aber dazu später mehr.

Es geht mir und ich glaube vielen anderen Menschen so, dass sie sich präferiert sofort mit der Umsetzung befassen um etwas Nachweisbares und Fertiges zu präsentieren. Ich bin da zumindest schnell bei der Sache. Daher wohl auch meine Bewunderung für Kollegen die die Gabe haben jedwede eigene Interpretation von gehörten oder gelesenen Sachverhalten zu vermeiden und stattdessen gezielt nachfragen. Die Auftragsklärung ist ein zähes Thema aber es lohnt sich hier die Zeit zu investieren.

Das Projekt Kick-off Meeting

Ich wurde am Montag gefragt, wie man denn ein Projekt Kick-off Meeting durchführt und ob ein solches überhaupt so wichtig sei. Meiner Meinung nach ist dieser offizielle Projektstart das wichtigste Meeting im ganzen Projekt. Hier habe ich als Projektleiter die Möglichkeit, das Team derart zu informieren und zu motivieren, dass sich jeder mit diesem Vorhaben identifizieren kann. Deshalb ist es auch zwingend erforderlich dieses Meeting akribisch vorzubereiten. Es wird nicht funktionieren das Meeting mal eben so ad hoc aus dem Ärmel zu schütteln und zu meinen, es würde schon gut werden. Ich sollte mir darüber im Klaren sein, dass nicht jeder gleich Feuer und Flamme für mein Projekt sein wird. Weiterhin muss ich mir genaue Gedanken darüber machen, welche Erwartungen das Team und die am Projekt beteiligten Stakeholder haben.

Ich werde hoffentlich auf Befürworter stoßen, die mich und das Team während des Projektes weitgehend vorbehaltlos unterstützen. Bestimmt nehmen einige Personen erst einmal eine neutrale Haltung ein. Diese heißt es mit individueller Ansprache für das Projekt zu begeistern, damit sie im weiteren Vorgehen zu Unterstützern werden. Die gefährlichste Gruppe bilden die Gegner des Projektes, die Bedenkenträger, die in allem ein Problem sehen. Ich meine damit nicht die konstruktiv kritischen, sondern die, die schon immer so agiert haben. Davon langt schon einer um ein ganzes Team madig zu machen. Darauf muss ich gefasst sein und mir individuelle Strategien erarbeiten um diese Personen mit ins Boot zu holen.

Als Projektleiter muss ich mich auch mental auf dieses Meeting einstellen. Es geht nun einmal nicht mit hängendem Kopf und offensichtlicher Frustration in dieses Meeting zu gehen. Damit ziehe ich keine MitarbeiterInnen auf meine Seite und erzeuge keine Begeisterung für das Projekt. Ich muss so positiv in dieses Meeting gehen das allen klar wird, dass ich mich bereits voll und ganz mit dem Projekt identifiziert habe und nun MitstreiterInnen suche. Während meiner Ausbildung zum General Projekt Manager habe ich, unter anderem, so ein Meeting geprobt und per Video aufgezeichnet. Ich war selber über meine Videoaufzeichnung erschrocken. Wie nüchtern und kühl ich bei diesem Meeting rüber kam! Innerlich war ich voller Enthusiasmus aber nach außen wirkte ich sehr konzentriert, weil ich in dieser spontanen Übung sehr darauf bedacht war, ein gutes Englisch zu sprechen. Diesen Eindruck hätte ich mit ausreichender Vorbereitungszeit eliminieren können. Die Übung hat mich für alle weiteren Kick-off Meetings in meinem weiteren Projektleben geprägt.

Ein wirklich tolles Projekt Kick-off Meeting habe ich in den Anfängen erlebt. Der Projektleiter war ein Südländer, mit strahlend hellblaue Augen und mit einem Lächeln von einem bis zum anderen Weisheitszahn. Er kam in das Meeting hereingestürmt und hatte sofort jedermanns Aufmerksamkeit. Als Erstes ging er in die Runde und begrüßte jeden einzelnen Teilnehmer. Dabei hatte er für jeden eine kurze passende Ansprache und herzte mal hier und klopfte mal dort eine Schulter. Seine Ausführungen waren im wahrsten Sinne feurig und voller Enthusiasmus. Er stand nie still, brauchte auch kein PowerPoint und begeisterte das Team, in dem die Informationen souverän vermittelt wurden. Zum Schluss sprang er tatsächlich auf einen Tisch, jubelte als wär das Projekt bereits erfolgreich beendet und sang „We are the champions“. Aber bitte Vorsicht und nicht nachmachen. Sie müssen authentisch bleiben. Hätte ich diese Show abgezogen wäre es lächerlich gewesen. Dem Projektleiter in unserem Beispiel hat man es dagegen abgenommen. Ich war wie wachgerüttelt von diesem Auftritt und es war klar – mein Feuer hatte er entfacht.

Die Königsdisziplin ist das Projekt Kick-off mit dem Kunden. Dabei tritt der Informationsaustausch zu den einzelnen Aufgaben eher in den Hintergrund. Jetzt können sich beide Projektparteien das erste Mal einander vorstellen und die MitarbeiterInnen finden ihren „Spiegel“, ihr Gegenüber und Gesprächspartner für die nächsten Monate oder gar Jahre. Jetzt können Sie als Projektleiter erfahren, wie weit die Projektidentifikation bei Ihren Teammitgliedern angekommen ist und wie jeder Einzelne vor dem Kunden auftritt.

Das Projekt Kick-off Meeting wird viel zu oft auf die leichte Schulter genommen – machen Sie es besser.

… und jetzt auch noch ein Projekt!

Ich bekam neulich einen Anruf, der mit der Feststellung endete „Ich bin doch schon zu 100 % ausgelastet und jetzt auch noch ein Projekt!“. Mein Gesprächspartner ist kein Projektmanager sondern Abteilungsleiter in einem expandierenden Unternehmen und damit klassisch in einer Linienorganisation die das laufende Tagesgeschäft abwickelt eingebunden. Er berichtete mir über seine Konzeption und Überlegungen für die nächsten Schritte. Es ging um den Aufbau einer neuen Abteilung, die in kurzer Zeit mit einem festgelegten Budget und einem sehr kleinen Projektteam zu einem definierten Termin fertiggestellt werden musste.

Es war für mich wie ein Déjà vue und ich erinnerte mich sofort an meinen ersten Blogartikel zu diesem Thema. Darin kam ich zu dem Fazit, dass im Projektmanagement kaum neue Fehler aber dafür, mit erschreckender Konstanz, immer die Gleichen gemacht werden. Mein Anrufer war gedanklich bereits tief in der Umsetzung und alles, was er mir darüber berichtete, war gut durchdacht und sehr effektiv. Aber die Auftragsklärung und somit die exakte Definition, was genau gemacht werden musste, um das Projekt zum Termin fertigzustellen, war in einigen Punkten noch nicht abgeschlossen. Nach einem kurzen gemeinsamen Kostenüberschlag war schnell ersichtlich, dass das Budget für die handwerkliche Umsetzung ausreichend war. In keiner Weise hätte es aber darüber hinaus die Personalkosten des kleinen Projektteams über den Ausführungszeitraum tragen können. Dies musste umgehend vor Projektbeginn mit dem Auftraggeber geklärt werden.

Ein weiterer Bestandteil des Auftrages war die farbliche Gestaltung der neuen Räume. Die Wandfarbe wurde schlichtweg mit Hellgrün definiert. Ich fragte mein Gesprächspartner wie viele RAL Farben wohl als Hellgrün betitelt werden können. Wir beide stellten uns gedanklich in einen Baumarkt vor ein Regal für Dispersionsfarben. Die Farbbeispiele auf den kleinen Papierstreifen zeigten alleine 20 verschiedene Farbkombinationen für Hellgrün. Die notwendige Auftragsklärung mit dem Kunden ergab eine derart dezente Farbgebung, die weder mein Gesprächspartner noch ich in Erwägung gezogen hätten. Nur ein kleines Beispiel, welches aber den Projekterfolg hätte infrage stellen können.

Seit dem Start meines Blogs häufen sich diese Gespräche. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, diese Problematik in einem neuen Blog aufzunehmen und zu behandeln. Dafür möchte ich Sie heute um praktische Unterstützung bitten. Welche Themen und Probleme sind für Sie als betroffener Entscheidungsträger relevant, wenn aus einer Linienorganisation heraus ein Projekt realisiert werden soll. Liegen die Schwerpunkte, wie im Beispiel, bei der Auftragsklärung und Zielformulierung? Treten Probleme bei der Projektdurchführung, der Planung, Kosten und den Risiken auf? Gibt es Schwierigkeiten in der Projektsteuerung und dem Berichtswesen? Oder vielleicht kennen Sie jemanden der sich mit dieser Problematik gerade auseinandersetzen muss.

Schreiben Sie mir Ihre Meinungen, Anregungen oder Problemfälle als Kommentar in meinem Blog, bei Xing oder per E-Mail unter erwin.christians@projektmanagement-für-faulies.de. Ich freue mich über viele Themen, die wir gemeinsam diskutieren können und dann entsteht ein neuer Blog oder sogar ein Leitfaden für diese Art von Projekten – eine Projektmanagement Fibel „light“.

Das unerwartete Angebot und die Angebotsbearbeitung

Wir hatten schon einmal beleuchtet was passiert, wenn das Account Management keinen Einfluss auf die Ausschreibung seines Kunden nehmen konnte. Das folgende Beispiel ist symptomatisch dafür und daher leider kein Einzelfall. Es fängt immer damit an, dass wie aus heiterem Himmel eine Angebotsaufforderung bei Bids&Proposal eingeht. Das Angebotsvolumen beläuft sich auf ca. 70 Millionen € und die Abgabe muss in fünf Wochen erfolgen – jetzt beginnt der Tanz.

Der erste Schritt heißt Offer Qualification Meeting (OQM). Hier kommen die Abteilungsleiter der involvierten Bereiche zusammen um zu entscheiden, ob das Angebot überhaupt bearbeitet werden soll. Schätzen Sie doch einmal, wie viele Angebote in einem Unternehmen durchschnittlich abgelehnt werden. Es sind <1 %. Wollen Sie noch einmal schätzen? Wer kämpft am meisten darum, dass das Angebot bearbeitet wird. Genau es ist der Account Manager. Das OQM beschließt somit, dass die Angebotsabteilung die Arbeit aufnehmen soll.

Nach erster Sichtung der Unterlagen (300 Seiten stark) kommt der Bid Manager beim ersten kickoff zu folgendem Fazit: Es scheint illusorisch zu sein die Angebotsmannschaft für dieses unerwartete Angebot zusammenzustellen. Die Technik meint, dass dies nicht zu schaffen sei, weil sie bekanntlich chronisch unterbesetzt ist. Darüber hinaus haben sie zurzeit zu viele andere technische Baustellen. Der Einkauf kann erst tätig werden, wenn die technischen Voraussetzungen geklärt sind. Die Rechtsabteilung sagt die Prüfung der Terms&Conditions fristgerecht zu. Ein Projektmanager kann frühzeitig mit in das Angebotsboot geholt werden und hat auch Kapazität zur Evaluierung und Kalkulation des Projektmanagements. Das Deployment hat dagegen keine Zeit die erforderlichen Services herauszuarbeiten und zu bepreisen, will aber mal prüfen was sie machen können. Der Account Manager ist selber völlig überrascht dass der Kunde so etwas ausschreibt und versteht gar nicht die Eile.

Als erstes drängt sich mir die Frage auf, ob der Kunde es überhaupt mit unserem Unternehmen ernst meint oder nur einen schnellen Benchmark benötigt. An zweiter Stelle frage ich mich, welcher Konkurrent dem Kunden bei der Ausschreibung vielleicht den Stift geführt hat, soll heißen seine technischen Stärken in das Angebot implementiert hat.

Aber weiter mit unserem Beispiel. Eine fundierte Angebotsbearbeitung in fünf Wochen bei einem zweistelligen Millionenwert ist mehr als sportlich. Ja warum eigentlich? Die Erklärung, die jetzt folgt, klingt wie ausgedacht, hat sich aber mehrfach so ereignet. Der Angebotstext wird nach Themen in einer Verantwortlichkeitsmatrix aufgeteilt. Jede Abteilung evaluiert nach bestem Wissen und Gewissen auf Aktenlage. Alle denken also, dass sie den Kunden und seine Ausschreibung verstehen. Eine Woche später bespricht man im großen Kreis der Beteiligten die ersten Ergebnisse. Für dieses erste Offer Review Meeting wird häufig 1 Stunde veranschlagt. Die tatsächliche Dauer nimmt aber ein Mehrfaches dieser Zeit ein, da jeder Beteiligte nur Teile des Angebotes kennt und jetzt eine Vielzahl an Informationen aus den anderen Angebotsteilen erhält (oder auch nicht). Besonders interessant wird es, wenn ein wichtiger Ansprechpartner verhindert ist und keine Vertretung bestimmt hat. Dann werden seine Themen einfach vertagt. Dieses Spiel wiederholt sich dann die nächsten vier Wochen. In der letzten Woche liegen dann regelmäßig die Nerven blank. Dem Kunden wird ein technisches Feature bestätigt, obwohl es noch nicht zur Verfügung steht. Die ermittelten Kosten für Services werden kräftig nach unten korrigiert, die des Projektmanagements sowieso. Das Angebot wird auf dem letzten Drücker aber fristgerecht abgegeben und dann passiert nichts mehr. Irgendwann erfährt der Account Manager, dass ein Mitbewerber den Auftrag gewonnen hat. Seine Systeme passen optimal zu den Kundenanforderungen – da kann man halt nichts machen.

Zur Angebotsbearbeitung generell fällt mir ein positives Beispiel ein. Wir, die Angebotsmannschaft, wurden drei Wochen in einen Raum „eingesperrt“. Alle waren komplett im Bilde und Detailklärungen oder weitere Zuarbeiten wurden auf Anfrage von weiteren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Unternehmens geklärt. Dieses Vorgehen war zeitintensiv aber enorm effektiv. Das Angebot war schlüssig, technisch und konzeptionell sehr ausgefeilt und jeder stand voll und ganz hinter seinen Kalkulationen und zeitlichen Zusagen – und wir bekamen den Zuschlag. Kurios war nur, dass das Unternehmen keine Kantine besaß und man sich zum Mittag bei Wind und Wetter in eine Reihe anstellte, um ein Sandwich aus einem privaten Pkw für 3 Pfund 50 zu kaufen – Tag für Tag mit einer Tüte Chips inklusive.

Peinlichkeiten im Projektmanagement

Ist Ihnen nicht auch schon einmal etwas Peinliches passiert, woran Sie sich auch noch Jahre später erinnern können? In den letzten 25 Jahren ist mir einiges widerfahren und ich denke mir, als leichte Kost zwischen den Feiertagen, berichte ich Ihnen heute davon.

Das Bild zu diesem Artikel ist zum Beispiel folgendermaßen entstanden. Ich war auf dem Weg von einem Meeting zum Nächsten, als mich eine Mitarbeiterin mit den Worten stoppte „Ich brauch noch schnell ein Foto für den neuen Dienstausweis“. Zugegebenermaßen war der Friseurbesuch bei mir bereits überfällig und ich hatte mir Sekunden vorher zwei Kekse in den Mund geschoben, um einer drohenden Unterzuckerung zu entgehen. Ich versuchte mit vollem Mund ein Lächeln anzudeuten und dachte bei mir, dass dieses Foto ja nur für den Dienstausweis ist. Im Laufe des Projektes wurde ich eines Besseren belehrt denn dieses digital zur Verfügung stehende Foto wurde nicht nur in der Firmenzeitung, sondern auch in der Presse verwendet. Es hatte somit einen gewissen Bekanntheitsgrad und mich haben noch Jahre später Personen darauf angesprochen, dass ich ja so viel abgenommen hätte.

Dann war da noch das Kundenmeeting in München – eines von der ganz wichtigen Sorte. Der Tag begann schon etwas hektisch. Noch ein paar Telefonate auf dem Weg zum Flughafen, der Flieger hatte Verspätung und ich hatte vergessen mein Handy aufzuladen. Den Flug habe ich genutzt um noch einmal meine Präsentation durchzugehen. Ich war im Begriff auf einen recht mürrischen Kunden treffen, da er seine Prognosen nach unten korrigieren musste und wir in der Lage waren Mehrkosten geltend zu machen. Zu allem Überfluss hatten sich ein paar Qualitätsmängel eingeschlichen, die es schnellstens in den Griff zu bekommen hieß. Der Flieger landete verspätet und ich hastete aus dem Bus, der uns an das Terminal brachte. Kurz vor dem rettenden Ausgang, auf den alle zu strömten, war eine kleine Stufe, die sich bei meiner neuen Gleitsichtbrille exakt im toten Winkel befand. Ich blieb also mit dem rechten Fuß an dieser Stufe hängen und stolperte. Die Laptoptasche an meiner rechten Hand hatte allerdings unverändert Fahrt nach vorne aufgenommen, sodass ich in einer Art Supermann Geste in meinem besten Anzug auf dem Beton krachte und gefühlt einen halben Meter auf den Ausgang zu rutschte. Schwer in meiner Eitelkeit gekränkt rappelte ich mich hoch, sah auf meine durchgescheuerten Hosenbeine und merkte erst jetzt, dass mein Sturz keine Sau interessiert hatte. Die Menschenmenge überholte mich einfach rechts und links und ich kann nur von Glück sagen, dass keiner auf mich getreten ist. Nach einer kurzen Taxifahrt erreichte ich unseren Kunden und eröffnete umgehend unser Meeting. Da stand ich nun an der Leinwand in einem etwas zerlumpten Outfit, gab eine kurze Erklärung was mir passiert war und begannen mit meinen Ausführungen. Die 20 Personen saßen in einen großen Dreiviertelkreis vor mir und gingen mit ihren Augenpaaren immer wieder von meinem Gesicht hinunter auf meine vom Beton weißen Knie und zurück, als würde es sich um ein vertikales Tennismatch handeln. Ich habe meine Strategie an diesem Tag gut verkaufen können. Entweder lag es daran, dass ich mein Missgeschick völlig ausblenden konnte oder man hat mir einen Mitleidsbonus gegeben.

An ein weiteres Missgeschick werde ich ziemlich oft erinnert. In einem Loriot Sketch wurde mein Namensvetter Erwin interviewt. Zum Schluss hieß es „mein Name ist Erwin Lottemann …“. Diesen Sketch kannte wohl auch ein Mitarbeiter von mir, denn er betitelte mich in einer E-Mail, die mich nur auf Umwegen erreicht hatte, kurz als Lottemann. Ich musste schmunzeln, denn mit dem Namen Erwin können auch andere Sketche verbunden werden. Allerdings konnte ich als Projektmanager so etwas nicht unkommentiert stehen lassen. Ich bat den Mitarbeiter also in mein Büro und sprach ihn auf den Inhalt der E-Mail an. Mein Mitarbeiter wurde sehr verlegen und sagte mir mit gesenktem Blick, dass das doch mehr als eine Art Kosename gedacht war. Natürlich muss ich jetzt ernst bleiben, aber am liebsten hätte ich lauthals losgelacht. Es fiel mir wirklich schwer die Fassung zu bewahren und ich musste schnell aus der Nummer raus. Wir beendeten das Gespräch mit einem „So geht das aber nicht; bitte in Zukunft darauf achten was Sie schreiben“ und der Mitarbeiter verließ sichtlich erleichtert mein Büro. Ich drehte mich sofort in meinem Bürostuhl um, schaute aus dem Fenster und begann laut los zu lachen, sodass mir die Tränen kamen.

Achtung, auch Silvester lauern Fettnäpfen, also guten Rutsch …

Zum Thema Weihnachtsfeier … alle Jahre wieder?!

Ihre Weihnachtsfeier ist höchstwahrscheinlich schon gewesen und ich hoffe sie war besinnlich, recht fröhlich, kommunikativ oder einfach nur prima und gelungen. Wenn dies Ihr Resümee ist können Sie wirklich zufrieden sein. Ich habe in den letzten 25 Jahren neben vielen gelungenen Weihnachtsfeiern jedoch auch mittlere Katastrophen erlebt.

Wenn ich an diese Weihnachtsfeiern zurückdenke, kann ich gar nicht so genau sagen, welche für mich die schlimmste war und bin froh, dass ich keine dieser nachhaltig im Gedächtnis eingebrannten Erlebnisse zu verantworten hatte. Ich werde mal versuchen die Top 4 zusammenzufassen. Den vierten Platz belegt wahrscheinlich der Klassiker im Projektleben. Diese Feier fand inmitten eines sehr ambitionierten und terminlich bereits in Schieflage geratenen Projektes statt. Die ersten 2 Stunden wurden nahezu von jedem dazu benutzt noch schnell ein paar wichtige Projektangelegenheiten zu besprechen. Dann kam das erste Raunen „Jetzt lass uns mal von was anderem reden“ und nach und nach entspannten sich die Gäste. Das Essen und das kühle Bier oder der gute Rotwein trugen irgendwann ihren Teil dazu bei. Um das angestaute Adrenalin zu überlisten bedarf es aber schon das eine oder andere Glas mehr. Vom Alkohol enthemmt wurde schon wieder über das Projekt gesprochen. Jetzt hatte sich die Stimmung allerdings verändert und es wurde bis zum Ende der Veranstaltung nur noch über negative Eindrücke lamentiert: „Was denn alles schlecht läuft“ und „Was die da oben (das Management) alles falsch machen“.

Die Weihnachtsfeier auf Platz 3 meiner Top 4 war eigentlich ganz nett, wurde aber den ganzen Abend von einem „Ein Mann Entertainer“ am Mikrofon begleitet. Unermüdlich sang er ein Lied nach dem anderen vom Play-back begleitet. Er kam auch am Anfang sehr sympathisch rüber und hatte wirklich eine gute Stimme. Leider ging er dabei ohne Unterlass durch die Reihen der Gäste und nötigte sie mitzusingen oder Kommentare abzugeben. Das Ganze erfolgte in einer Lautstärke, dass kaum ein Gespräch mit seinem Nachbarn zustande kam. Dazu musste man nämlich direkt in ihr oder sein Ohr brüllen um verstanden zu werden. Ich verließ den Abend entnervt und etwas heiser und das war auch gut so. Der Abend endete wohl in einem Karaoke Marathon – definitiv nichts für mich.

Der Platz 2 der besinnlichen vorweihnachtlichen Feste wiederholte sich sogar mehrmals. Dies lag an dem damaligen Chef, der in Bezug auf Alkohol ein Phänomen war. Regelmäßig hat er die gesamte Führungsriege mit Williams Christ oder Grappa oder auch gerne mit beidem unter den Tisch getrunken. Natürlich ist man ja mit eigenem Geist und selbstständiger Entscheidung dabei und kann sich dem entziehen. Die wenigsten sind diese Shooter aber in der konsumierten Menge gewohnt und somit ist der eigene Wille auch schnell hinweggespült. Dem entsprechend folgte dann immer das 8 Uhr Projekt Meeting am nächsten Morgen. Dann waren wirklich alle hoch verkatert und kaum einer in der Lage, den Ausführungen des Chefs zu folgen. Der Stand frisch wie der Morgen und mit fester Stimme vor uns und dozierte seinen Jahresrückblick.

Eine Weihnachtsfeier verursacht mir heute noch besonders Kopfschütteln und hat somit auch Platz 1 verdient. Sie war zu einer Zeit, als es der Firma sehr gut ging und man dies auch zeigen wollte. Ein vollgestopftes Programm mit Zauberkünstlern, Akrobaten und einer halbwegs passablen Live Band ließen kaum Raum für Gespräche. Als aber ein sehr junges und sehr leicht bekleidetes Paar sich den anwesenden Gästen an die Hälse schmiss, war mein persönliches fremdschämen definitiv auf dem Höhepunkt – dachte ich. Das junge Mädchen griff sich dann willkürlich einen älteren Kollegen und nötigte ihn auf die Bühne. Dort angekommen fing sie auch gleich an mit aufreizenden Bewegungen seinen Oberkörper von der Kleidung zu befreien. Anschließend zauberte sie aus dem Nichts ihres String Tangers eine Cremetube hervor und cremte seinen Oberkörper damit ein. Dem Kollegen gefiel das offensichtlich überhaupt nicht und ich glaube, er wäre am liebsten im Erdboden verschwunden und ich gleich mit ihm. Auch die Gäste waren peinlich berührt und das zotige Gejohle hielt sich sehr in Grenzen. Schließlich waren wir fast alle schon in einem Alter, in dem dieses junge Mädchen auch die eigene Tochter hätte sein können.
Ich hoffe, dass meine Top 4 Ihnen dieses Jahr erspart blieben und wünsche Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr bei bester Gesundheit und Zufriedenheit.