5 Dinge die ich nie wieder machen werde!

Kennen Sie das? Sie denken über ein Thema nach und plötzlich schütteln Sie den Kopf und erinnern sich an eine Situation, in die Sie kein zweites Mal in Ihrem Leben geraten wollen. In diesen Situationen passieren Fehler, die man tunlichst vermeiden sollte. Ich habe ein paar davon für Sie schon einmal gemacht.

In den Urlaub fahren wenn sich Probleme andeuten

Endlich Urlaub. Das wurde jetzt aber auch Zeit. Ich habe noch einmal enorme Energie darauf verwendet alles an meine zwei Co-Projektleiter ordentlich zu übergeben, damit das Projekt die nächsten zwei Wochen auch ohne mich weitergehen kann. Ich habe ein bundesweites Großprojekt mit acht autarken Kunden, die regional verteilt sind. In sieben Regionen läuft das Projekt auch gut, nur dort, wo den Einwohnern eigentlich Ruhe und Gelassenheit nachgesagt wird, zeichnen sich Probleme ab. Ich gehe dem persönlich nach und suche das Gespräch mit dem Regionalverantwortlichen. Im Ergebnis war alles in Ordnung. Es gab ein paar Anfangsschwierigkeiten, die jetzt aber behoben sein sollten. Es wurde mir noch ein schöner Urlaub gewünscht und ich fuhr die 500 km zurück in mein Büro. An meinem ersten Urlaubstag bekam ich einen Anruf, dass es lichterloh brennt und ich bitte auf meine E-Mails schauen sollte. Der Kunde war leider nicht ehrlich zu mir gewesen und hatte nur darauf gewartet, dass ich außer Landes war. Dann präsentierte er, eigentlich normale Baustellenprobleme, an seine Zentrale und stellte die weitere Zusammenarbeit infrage. Somit war ich die nächsten zwei Wochen überwiegend mit Telefonkonferenzen mit dem Steering Board, Berichten an die Geschäftsleitung und jeder Menge E-Mails schreiben beschäftigt. Ach ja, ich vergaß zu erzählen, dass ich mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern im Urlaub war. Die verständlicher Weise auftretenden sozialen Spannungen, die sich daraus ergaben, war aber mit Abstand das Schlimmste an der Geschichte. Erst als ich wieder im Lande war stellte sich heraus, dass ein Bauleiter dieses Kunden seinen Lieblings-Subunternehmer wieder ins Boot holen wollte und uns deshalb diskreditiert hatte. Shit happens.

So ganz ohne Personal starten

Ich hatte ein Projekt im Ausland übernommen und stand erst einmal ganz alleine da. Das von mir angeforderte Personal sollte ganz schnell zur Verfügung stehen. Als Erstes gesellte sich der Kaufmann meines Vertrauens dazu und ich war erleichtert, dass diese Schlüsselposition gut besetzt war. Als Nächstes kam der erste Bauleiter, der mir als Experte für die aufzubauenden Systeme angekündigt wurde. Leider war er erst seit einem halben Jahr im Unternehmen und hatte nur zwei Stationen aufgebaut. Ein sehr sympathischer und agiler junger Mann, der aber weit entfernt war von dem Experten, den ich jetzt dringend benötigte. Meine beiden regionalen Projektleiter kamen mit etwas Verzögerung. Der eine sah aus, als würde er gleich einschlafen und die andere erinnerte mich an die weibliche Version von MacGyver. Ich hätte ihr zugetraut aus einem Stück Schnur, einer Kugelschreibermine und einem Kaugummi garantiert irgendetwas Sinnvolles zu bauen. Nur beide hatten überhaupt keine Erfahrung im Projektmanagement oder Menschenführung. Ich glaube, ich hätte dem Kunden meine Situation darstellen und um Verständnis bitten können, wären wir nicht als die Experten angekündigt worden. Nie wieder werde ich so starten.

Auf einen Gittermast steigen

Mir war nicht bewusst, dass ich nicht schwindelfrei bin, sonst wäre mir das wohl erspart geblieben. Der Kunde hatte die tolle Idee dass wir beide zusammen eine Abnahme eines neu erstellten Systems auf einem 40 m Gittermast durchführten. Als wir vor dem Mast standen und uns der Wind bereits hier unten die Blätter aus den Händen riss, wurde mir schon etwas mulmig. Wir legten beide unser Sicherheitsgeschirr an und gingen die Stahlrohrtreppe im Inneren des Mastes hinauf. Als ich ungefähr nach der Hälfte der Strecke einmal kurz nach unten schaute schien es, als wollten meine Organe an Stellen rutschen, an denen sie nichts zu suchen hatten. Als wir oben ankamen, musste ich mit Schrecken feststellen, dass die Mastspitze bei diesem Wind ca. einen halben Meter in willkürliche Richtungen ausscherte. Ich konzentrierte mich auf meine Contenance und war froh, als wir nach zwei Stunden wieder auf dem sicheren Boden standen. Höhe ist definitiv nichts für mich.

Den Freund vom Chef einstellen

„Sagen Sie mal Herr Christians, haben Sie nicht noch Verwendung für einen Kollegen? Die Stelle des Materialmanagements kann doch erst in zwei Monaten besetzt werden.“ Da hatte er recht, denn meine Wunschkandidatin war noch in einem anderen Projekt eingebunden und diese Vakanz bescherte mir Kopfschmerzen. Also sagte ich zu und war erfreut, dass der Mitarbeiter aus der Materialsparte kam. Doch die erste Autofahrt mit ihm brachte bereits die Ernüchterung. Es war ihm in keiner Weise möglich die Straßenkarte zu lesen oder auch nur annähernd zu deuten, in welche Himmelsrichtung wir fahren mussten. Nun ja, Karte lesen kann nicht jeder, aber leider hat sich dies auf seine tägliche Arbeit im Projekt übertragen. Von den rund 400 Materialpositionen kannte er offensichtlich nicht eine und war mit Bestellungen und Bestandsführung hoffnungslos überfordert. Wir führten mehrere Gespräche und er tat mir richtig Leid in seiner Hilflosigkeit. Es bedurfte mehrerer Gespräche mit meinem Vorgesetzten, bis ich ihn aus dem Projekt entlassen konnte. Nie wieder solche Gefälligkeiten ohne Kenntnis über die Person.

In eine Table-Dance-Bar gehen

Unser Kunde wollte den Vertragsabschluss mit uns feiern und lud uns in eine Bar ein. Der erste Eindruck war erfreulich. Gehobenes Publikum, gute Musik, ja und dann sah ich sie. An die sieben sehr leicht und aufreizend bekleidete junge Mädchen im Alter meiner Töchter rekelten sich, an in der Bar verteilt stehenden Stangen, zur Musik. Unser Kunde war gut gelaunt und es stellte sich heraus, dass er öfter hier ist. Nun, es war ja wirklich nichts Obszönes oder Anstößiges dabei gewesen und bei einem derben Junggesellenabschied, schon entsprechend alkoholisiert, hätte mich das vielleicht gar nicht so gestört. Aber hier habe ich mich den ganzen Abend nur fremdgeschämt.

2 Antworten auf „5 Dinge die ich nie wieder machen werde!“

  1. Guten Morgen Herr Christians,

    Glückwunsch zu dieser teilweise auch amüsanten Darstellung alltäglicher Störungen, die uns Beratern ab und zu begegnen. Auch ich kann nur zustimmen, vor allem wenn der Kunde nicht ganz die Wahrheit spricht oder noch schlimmer, wenn alles politisch korrekt schön geredet wird, auch wenn das Kind längst mit dem Badewasser ausgeschüttet wurde.

    Seit einigen Jahren bin ich nur noch mit der Einführung von primär einem PM-System freiberuflich tätig und sehe immer wieder dieselben Probleme, die auch in Projekten existieren. Es sind oftmals keine Regelprozesse vorhanden und will man das Management von der Notwendigkeit einer noch so kleinen praktikablen Lösung überzeugen erreicht man allgemeine Zustimmung, doch an der Umsetzung erlebt man dann die Ausnahme von der Ausnahme, woran jedes noch so gute System nicht den Benefit bringt, den man sich erwartet hatte.

    Ich würde mich auf einen regen Austausch sehr freuen und sollten Sie einmal Bedarf haben an einer Unterstützung zum Thema Coaching von Projektleitern oder Kurzeinführung ins Projektmanagement, dann freue ich mich auf eine evtl. Zusammenarbeit.

    Grüße aus dem Odenwald
    Petra Meier

  2. Guten Morgen auch!
    Das war richtig gut… besonders erfreut hat mich die Klettertour auf den Gittermast (*Angebermodus on!* Nur 40m??? *Angebermodus off!*). Das mit dem Personal, welches zur Unterstützung „bereit steht“, ist mir auch nicht ganz unbekannt und den besten Freund vom Chef will ich auch nicht unbedingt im Projekt haben.
    Die Table-Dance Bar ist für mich als „Mädel“ auch nicht so aufregend, Bleibt ein Punkt, der mir wirklich die Laune versauen könnte:
    „In den Urlaub fahren wenn sich Probleme andeuten“. Das würde wohl keiner von uns machen, wenn man sie denn kommen sieht. Aber Sie haben alles gemacht, was man da machen kann: Saubere Übergabe an die Vertreter und ein letztes Gespräch mir dem Kunden… alles gut, so wäre ich auch in den Urlaub gefahren.
    Das der nur auf die Abwesenheit gewartet hat um einen ziemlich unsauberen Zug machen zu können, dagegen ist wohl niemand gefeit… das kann einem den ganzen Urlaub verderben. Im Grunde war es dann auch kein Urlaub.
    Zum Glück ist mir das so noch nicht passiert. Im Urlaub sperre ich mein „Diensthandy“ und mache meinen Abwesenheits-Assi für meine Mails an. Alles, was dann „aufschlägt“, muss 2 Wochen warten. Natürlich bin ich erreichbar für absolut unaufschiebbare Dinge. Einige wenige Leute können mich jederzeit erreichen, bei denen weiß ich dann auch sicher, dass ich rangehen sollte… und natürlich kann ich es auch nicht lassen, ab und an ein Auge auf meine Mails zu werfen.
    Am Ende muss ich sagen, dass grade leitende Angestellte mittlerweile ein merkwürdige „Urlaubskultur“ entwickelt haben. Wir sind nie ganz weg, haben immer das Notebook dabei und fragen im Hotel zuerst nicht nach dem Pool sondern nach dem Wlan…
    Vor 20 Jahren war ein Handy noch ein echter Hinkucker, wer damit rumlief, der konnte als „wichtig“ eingestuft werden. Heute haben wir das Handy (und das Notebook) um jederzeit erreichbar und einsatzfähig zu sein. Das ist keineswegs ein Statussymbol, schon lange nicht mehr, eher das Gegenteil.
    Nicht-Erreichbarkeit ist heute der wahre Luxus: Grade liege ich an einem weißen Stand, das Meer ist glasklar, der Himmel blau, es ist angenehm warm und ich bin soooo weit weg von jeder Zivilisation… was für eine schöne Vorstellung, die gebe ich mir regelmäßig als kleines Kopfkino für zwischendurch… 😉

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